Ayse Gündogdu-Aiser

Vertraue, nimm an, lass los!

Yoga-Lehrerin und Dreifach-Mama Ayse Gündogdu-Aiser Mama Mami Yoga Blog

Ayse Gündogdu-Aiser (38) ist dreifache Mama und Yoga-Lehrerin aus Hannover. Unter dem Label Soulful Yoga unterrichtet sie Schwangeren-Yoga, Mama-Baby-Yoga und Business-Yoga im Vinyasa-Flow-Stil. Mit MOMazing sprach sie über ihr Wochenbett mit Sohn Levin (7 Wochen), ihre Yoga-Praxis als Mutter von drei Kindern, ihre Lieblings-Beckenboden-Übung und darüber, warum Mamas stolz auf jede einzelne Delle und Macke ihres Körpers sein sollten!


Hast Du als frisch gebackene Dreifach-Mama eine Lieblings-Asana?

 

Momentan liebe ich Uttanasana. Der Stretch tut unheimlich gut und die Vorbeuge entlastet meinen Nacken und lässt mich in den Fokus kommen. Außerdem finde ich, alles was öffnend ist, schön. Nach einer Nacht, in der ich auf der Seite liegend gestillt habe, ist im Körper einiges hart und verspannt. Oft beginne ich morgens im Bett schon mit Cat-Cow-Stretches und Balasana, damit der Rücken mobilisiert und entspannt wird. Alles Kräftigende und Verwurzelnde liebe ich auch sehr. Stehende Haltungen gehen auch im Alltag gut mit Baby auf dem Arm. Oder beim Zähneputzen. Da gehe ich gerne in den Baum.

 

Du machst zur Zeit also viele Asanas nebenbei?

 

Genau, zum Beispiel wenn ich den Kleinen im Kinderwagen im Garten schunkele. Dann schiebe ich den Wagen so weit nach vorne, dass ich auf einem Bein in den dritten Krieger komme. Die Nachbarn, die aus dem Fenster schauen, denken bestimmt: Was macht die denn da? (lacht) Ich binde die Yoga-Haltungen spielerisch ein, das macht total Spaß! Core-Übungen im Vierfüßler-Stand sind super und ich mache immer wieder etwas für den Beckenboden.

 

Ein Beispiel, bitte!

 

Die Beckenboden-Ticktack-Übung. Anspannen: Tick. Loslassen: Tack. Das kann ich bei jedem Stillen machen. Bei drei Kindern muss ich gucken, wann ich Raum für mich gewinne. Ich bin da sehr praktisch unterwegs und schaue, wo ich eine Übung einbauen kann.

 

Auf Instagram habe ich gesehen, dass Du mit Deinem Baby auch schon auf der Matte aktiv warst …

 

Das stimmt, momentan eher für mich und weniger mit Baby, dafür ist er noch zu klein. Ich bin nach dieser dritten Schwangerschaft relativ gut wieder in meine Kraft gekommen. Das war nach meiner zweiten Schwangerschaft nicht so. Da fühlte sich mein Körper total weit, locker und irgendwie lost an (lacht). Das hatte ich diesmal weniger. Aber es fiel mir zum Ende hin eher schwer, kraftvoll zu üben. Alles war weich und instabil und ich hatte einen komplett anderen Zugang als sonst.

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Wie sah Deine Übungs-Praxis während der Schwangerschaft aus?

 

Die hat sich während der dritten Schwangerschaft sehr verändert. In den ersten Wochen war mir oft übel und ich habe viel meditiert und restorative Haltungen eingenommen. Ich habe zu dieser Zeit auch meinen ersten Grad im Reiki gemacht und mir ganz viel über meine Hände gegeben. Die Schwangerschaften davor habe ich viel Yoga auf der Matte praktiziert. Aber dieses Mal habe ich gemerkt: Ich kann gar nicht so richtig. Das musste ich erstmal für mich akzeptieren, weil Yoga auf der Matte ja vorher Bestandteil meines Alltags war. Dieses Annehmen war für mich ein großes Learning.

 

Als Mama muss man auch lernen, das Chaos anzunehmen, wie gehst Du damit um?

 

Ich versuche, ganz viel Gelassenheit zu üben. Da ist einerseits das räumliche Chaos, alles liegt rum und es sieht aus wie Hulle, da muss man einfach los lassen, also weg von diesem Perfektionismus kommen. Es kann einfach nicht alles ordentlich sein. Das andere „Chaos" entsteht für mich dadurch, dass Kinder immer ihre Bedürfnisse gestillt haben möchten und teilweise viel fordern. Das habe ich gerade ganz extrem mit meiner dreieinhalbjährigen Tochter, die viel Aufmerksamkeit braucht. Manchmal überrennt sie uns total. Dann erinnere ich mich selbst daran: Bleib in Deiner Liebe, auch wenn mal Gefühle hochkommen, die negativ sind, und die kommen hoch.

 

Hast Du für Situationen wie diese ein Mama-Mantra parat?

 

Es ist alles nur eine Phase. (lacht)

 

Wie hast Du die letzten Wochen, Dein drittes Wochenbett erlebt?

 

Mit meiner dreieinhalbjährigen Tochter und meinem siebeneinhalbjährigen Sohn war ich gleich wieder mitten im Leben. Ich konnte mich nicht so sehr zurückziehen. Nichtsdestotrotz konnte ich es noch mal ganz anders genießen. Ich habe mir gesagt: Ich nehme mir jetzt diesen Raum, ich will jetzt zum Beispiel erstmal nicht so viel Besuch, sondern möchte erstmal ankommen und mir Zeit mit dem Kleinen gönnen. Ich konnte also viel bewusster für mich entscheiden und viel besser wahrnehmen, was ich brauche, und was nicht. Das ist ein ganz anderer Prozess gewesen. Zudem hat mich meine wundervolle Familie toll unterstützt.

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Wie hat Yoga Dir bei Deinen Geburten geholfen?

 

Meine Geburten waren alle sehr unterschiedlich. Vom Not-Kaiserschnitt bis zur schnellen Spontangeburt war alles dabei. Yoga hat mich gelehrt, Vertrauen in mich, meinen Atem und meinen Körper zu haben. Dadurch wurden Ängste abgebaut, ein anderes Bewusstsein geschaffen. Ich konnte zudem durch kontrollierte Atmung den Prozess bei meiner zweiten und dritten Geburt aktiv mit gestalten. Meine innere Haltung hat sich generell verändert und ich übe mich immer wieder im Annehmen und Loslassen, was sehr hilfreich unter der Geburt ist.

 

Du unterrichtest selbst Pränatal-Yoga. Was vermittelst Du den werdenden Mamas in Deinen Kursen?

 

Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie es bei meiner ersten Schwangerschaft war: Mit einem Dreiviertel-Bein im Office-Job und mit einem Viertel-Bein in der Schwangerschaft. Yoga hat mir damals sehr gut geholfen, in meinen Körper zu finden und eine Verbindung zu ihm aufzubauen. Mir ist es wichtig, zu vermitteln, dass man Vertrauen in ihn haben kann. Yoga ist eine ganz tolle Möglichkeit, ein Bewusstsein für seinen Körper und seinen Atem zu entwickeln. Meine Message ist: Vertraue, nimm an, lass los. Ich habe in den Kursen gemerkt, wie die Frauen diese Auszeiten genossen haben. Sie haben teilweise zum ersten Mal Bekanntschaft mit ihrem Atem und ihrem Beckenboden gemacht. Das ist sehr schön zu beobachten. Auch, diese Zeit ganz bewusst mit dem Baby zu verbringen. Die Hände auf den Bauch zu legen und liebevolle Gedanken zum Baby zu senden. Ich finde solche Momente muss man sich nehmen. Ob zuhause oder in der Yogastunde. So etwas geht sonst verloren, wenn man durch den Alltag huscht.

 

Und wie sieht es aus, wenn die Mamas mit ihren Babys in Deine Stunden kommen?

 

Wichtig ist einerseits, den körperlichen Beschwerden entgegenzuwirken, und die sind wirklich da. Rücken, Nacken, Schultern, alles ist verspannt. Auf der anderen Seite möchte ich das Glück Mama zu sein, mit meinen Schülerinnen zelebrieren. Ich führe jeder von ihnen vor Augen: Hey, guck mal, was Du geschaffen hast! Du tust alles, was Du kannst. Du gibst Dein Bestes. Als Mutter steckt alles in Dir. Hör auf, Dich zu vergleichen, gib Dir Zeit. Wenn Du Dich wegen ein paar Dellen und Macken doof in Deinem Körper fühlst, dann denk' daran, dass ohne sie Dein Kind nicht da wäre.

 

Welche drei Tipps möchtest Du darüber hinaus an andere Mamas weiter geben?

 

Der jungen Mami sage ich: Lass’ alles andere liegen und leg’ Dich tagsüber mit Deinem Baby schlafen, um eine kurze Nacht einigermaßen wieder aufzuholen. Uns geht es viel besser und alles fällt leichter, wenn wir etwas geschlafen haben. Und von unserer guten Laune und Power profitiert die ganze Familie! Außerdem finde ich es wichtig, uns Zeit zu geben, Eltern zu werden. Ansprüche zu reduzieren, sich nicht zu vergleichen. So wie unsere Kinder geboren werden, werden auch wir als Eltern geboren. Wir machen immer so gut wir können! Das ist auch meine ständige Übung. Und zu guter Letzt: Genieße den Moment. Wie oft huschen wir durch unseren Alltag mit all den Erledigungen, dass wir manchmal die besonderen und kleinen Momente übersehen. Alles mal stehen und liegen lassen und mit den Kleinen kuscheln und spielen. Aufmerksam hinsehen. Das Leben ist JETZT.

 

 

Fotos: Sandra Gerriets

 

 



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