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Arun Thankaraj

Ohne Yoga wäre ich als Papa schon verrückt geworden!

Papa und Yogalehrer Arun Thankaraj MOMazing Yoga Mama Mami Blog Yogamama

Arun Thankaraj (35) lernte Yoga in einem Ashram in Nepal und lehrte in seinem eigenen Yogastudio mit Meerblick in Varkala in Süd-Indien – bis er sich in Alena (29) aus Deutschland verliebte. Mit ihr und Sohn Krish (3) lebt er mittlerweile in Hamburg und unterrichtet bei ahoiYoga. Mit MOMazing sprach der Inder übers Vatersein dies- und jenseits des Ganges, den Upanishaden als Gute-Nacht-Geschichten, Ganesha als Eltern-Coach und indische Glucken-Mamas…


Lieber Arun, wie hilft Dir Yoga beim Papasein?

 

Durch Yoga bin ich viel empathischer geworden und es gelingt mir, die Bedürfnisse meines Sohns Krish schnell zu erkennen und zu befriedigen. Ein kleines Beispiel: Vor ein paar Wochen war er ungewöhnlich anhänglich und weinerlich nach dem Kindergarten. Ich hatte das Gefühl, dass er innerlich verletzt war und sprach mit ihm – und es hatte tatsächlich etwas mit seinem Tag zu tun. Durch die Aussprache konnte er sich wieder beruhigen und seine Mitte finden. In dieser Situation hat mir meine Empathie sehr geholfen – und die habe ich meiner Yoga-Praxis zu verdanken.

 

Hast Du noch ein Beispiel?

 

Ein Kind großzuziehen ist durch den Alltagsstress niemals einfach. Kinder haben von Anfang an ihren eigenen Charakter, ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse. Sie können uns manipulieren (lacht). Sie produzieren also auch eine Art Stress. Als Eltern kann man damit umgehen, es ist aber auch oftmals zuviel. Wenn mein Sohn Krishi weint, weil er etwas will, was nicht gut für ihn ist, führt das bei mir zu Frustration. Mir hilft Yoga in Situationen wie diesen dabei, meine Gefühle zu erkennen und besonnen nach einer Lösung zu suchen. Ich habe schon öfter zu meiner Frau gesagt: Wenn ich kein Yogalehrer wäre, wäre ich als Vater schon längst verrückt geworden (lacht).

Es geht darum, Verständnis für sein Kind zu entwickeln. Yoga hilft mir dabei.

Welchen Tipp hast Du als Yogalehrer für andere Eltern?

 

Es geht in erster Linie darum, Verständnis für sein Kind zu entwickeln. Diese Beziehung ist nie einfach, keine Beziehung ist einfach. Wir sind unseren Kindern gefühlsmäßig sehr verbunden und wollen nur ihr Bestes. Wenn man Yoga macht, nimmt man all das bewusster war. Es hilft einem, seine Gefühle besser zu managen und seine Energien zu bündeln.

 

Wie machst Du das genau?

 

Ich versuche Situationen zu reflektieren und nicht so emotional zu agieren. Yoga hilft mir, die Dinge rational und aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Anstatt meine Augen zu schliessen, öffne ich sie, atme, lenke meinen Blick auf alles Positive um mich herum und bin einfach nur zufrieden.

 

Das klingt wunderbar. Ich probiere es bei nächster Gelegenheit aus! Was gefällt Dir als Inder an deutschen Eltern?

 

Sie haben erkannt, dass ein Kind Mutter UND Vater braucht. In Indien verstehen die Papas sich zur Zeit noch eher als Ernährer und sind weniger Bezugsperson.

 

Und was kannst Du über indische Mütter berichten?

 

Von Außen betrachtet, ist Indien ein frauenfreundliches Land. Aber was ich wahrnehme, ist: Frauen sind in der Familie der Boss. Sie kontrollieren das System. Bei uns zuhause ist es so, dass meine Mutter die Kanzlerin und mein Vater der Präsident ist (lacht). Er kann die Dinge nur abnicken. Frauen haben in den meisten indischen Familien eine sehr dominante Rolle. Shakti dominiert Shiva. Und indische Mütter sind in Bezug auf ihre Kinder übervorsichtig, richtige Glucken.

 

Unterwegs in Kerala: Yogalehrer und Papa Arun MOMazing Yoga Mama Mami Blog Yogamama

Wie bist Du eigentlich zum Yogalehrer geworden, war das eine Idee Deiner Glucken-Mama?

 

Ganz und gar nicht, aber das ist eine lange Geschichte. Ich kürze sie mal so ab: Yoga-Übungen wie Sonnengrüße und Pranayama gehörten für mich als Hindu einfach dazu. Ich hatte aber niemals die Absicht, als Yogalehrer zu arbeiten. Meine Eltern haben sich wie alle indischen Eltern Sicherheit für ihr Kind gewünscht, deshalb habe ich Wirtschaft studiert. Als Finanz-Manager war ich aber überhaupt nicht glücklich und habe angefangen in einer Ayurveda-Klinik zu arbeiten. Dann habe ich meine Ausbildung zum Yogalehrer in Nepal gemacht. Es hat so gut getan: gutes Essen, gute Luft, Yoga und Meditation. Zurück in Kerala habe ich anderthalb Jahre in der Ayurveda-Klinik unterrichtet und mich dann mit meinem eigenen Studio in Varkala nahe am Strand selbständig gemacht. Ich habe jeden Tag vier Stunden gegeben und viele Schüler aus aller Welt gehabt. Vielleicht weil ich in einem Lonely Planet-Forum empfohlen wurde. (lacht).

 

Seit 2012 bist Du in Deutschland – Ist Yogalehrer auch ohne Palmen und Meeresbrise Dein Traumjob?

 

Manchmal denke ich: Ich brauche einen neuen Job! (lacht) Spaß bei Seite: Meine Frau hat viel Geduld, sie unterrichtet Geografie und Englisch am Gymnasium und hält mir den Rücken frei, damit ich mich als Yogalehrer etablieren kann.

Wenn Du Deinem Kind Yoga beibringen möchtest, dann rede nicht mit ihm darüber.

Konkret sieht das so aus,  dass Du Krish tagsüber betreust und abends Stunden gibst. Wie integrierst Du Yoga in Euren Familien-Alltag?

 

Yoga passiert bei uns jeden Tag, ohne dass ich einem speziellen Plan folge. Wenn Du Deinem Kind Yoga näher bringen möchtest, dann sprich mit ihm nicht darüber. Lass es lieber zusehen bei dem, was Du tust und mitmachen, wenn es möchte. Mein Sohn krabbelt gerne beim Herabschauenden Hund unter mir durch oder macht eine Kobra. Yoga sollte aus einem Gefühl heraus entstehen und intuitiv gelernt werden. Es muss sich gut anfühlen, denn jeder Körper ist anders.

 

Wie sieht es auf der spirituellen Ebene aus – gibt es bei Euch Gute-Nacht-Geschichten aus der indischen Götterwelt?

 

Ja, aber das Problem ist, dass viele in Krieg oder Vernichtung enden. Ich muss also immer den Teil der Geschichte suchen, in dem es möglichst keine Gewalt gibt (lacht). Als ich Krish aus den Upanischaden vorgelesen habe, wurde mir zum ersten Mal bewusst, dass sie ziemlich gewalttätig sind. Ich modifiziere also bei den Gute-Nacht-Geschichten die ganze Zeit. Für indische Eltern ist das alles gar kein Problem. Sie wollen, dass ihre Kinder sehen, wie das Leben läuft und lernen, dass es kein Ponyhof ist.

Yogalehrer und Papa Arun Thankaraj MOMazing Yoga Mama Mami Blog Yogamama

Es gab mal eine Zeit, da war Yoga einfach Yoga.

Apropos Ponyhof – Wie siehst Du als Inder den Yoga-Hype in Deutschland?

 

Ich habe immer gedacht, wenn man Yoga macht, macht man sich maximal über die richtige Hose Gedanken (lacht), aber in Europa ist es eine richtige Industrie geworden. Dabei gab es mal eine Zeit, da war Yoga einfach Yoga. Jetzt geht es auch oft um die richtigen Accessoires. Schlimm finde ich es, wenn ein Yogastil für sich proklamiert, er sei der beste. Spontan fällt mir da Bikram-Yoga ein. Wenn man die Tiefe des Yoga kennt und den Gründer Bikram Choudhury beim Unterrichten sieht, fragt man sich schon, was da los ist. Dass sich mehr und mehr Menschen für Yoga interessieren, macht mich aber generell sehr glücklich.

 

Gibt es ein Mantra, dass Dich durch Deinen Papa-Alltag begleitet?

Om Ganesh Namaha! Ich habe es von meinem Vater. Er hat es in meiner Kindheit häufig rezitiert und ich habe es so verinnerlicht. Als ich klein war, habe ich Ganesha haptsächlich als Gottheit gesehen. Mit den Jahren habe ich aber mehr und mehr seine Bedeutung und philosophische Dimension erfasst. Der Elefantengott bestärkt mich in meinem Selbstvetrauen. Wenn Du Dir selbst vertraust und an Dich glaubst, findest Du immer eine Lösung für Deine Probleme. Du kannst Dein Wissen richtig anwenden. Wissen ohne Vertrauen bringt gar nichts.

 

Zum Schluss noch ein Buch-Tipp, bitte!

 

Yoga and Kriya: A Systematic Course in the Ancient Tantric Techniques (Werbelink) ist meine Bibel. Ein richtiger Wälzer, der voller Weisheiten steckt.

 

Yogalehrer und Papa Arun beim Yoga in Varkala MOMazing Yoga Mama Mami Blog Yogamama

Fotos: privat

 

 



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