Miriam Langenscheidt: Im Yoga muss es auch Platz für Familien geben

Die Jivamukti-Lehrerin spricht über Hingabe, anstrengende Mama-Momente und ihr Happy Easter Family Retreat

Jivamukti-Lehrerin und Yoga-Mama Miriam Langenscheidt MOMazing Yoga Mama Mami Blog

Als ich bei meinen Kolleginnen von Fuck Lucky Go Happy gelesen habe, dass Jivamukti-Yogalehrerin Miriam Langenscheidt (41) über Ostern ein Familien-Yoga-Retreat bei Toulouse in Frankreich anbietet, konnte ich gar nicht anders, als ihr ruckzuck zu schreiben. So ein Angebot ist doch ein wahrer Yoga-Mama-Traum! Falls Du die Idee der dreifachen Mama genauso magnifique wie ich findest, solltest Du unbedingt weiterlesen …


Liebe Miriam, wie bist Du auf die Idee für Dein Happy Easter Family Retreat gekommen?

 

Ich war letztes Jahr im Herbst im Chez Zen und habe damals schon gedacht, dass meine Kinder es dort lieben würden! Die Gegend ist einfach wunderschön, ganz viel wildromantische Natur, weite Felder und alte Gemäuer. Ein paar der Mitarbeiter haben neben dem Haupthaus gezeltet. Ich bin ja auf dem Dorf aufgewachsen, ich liebe so was! Und ich wusste gleich: Ich will da mit den Mädels mal hin. So ist die Idee für das Familien-Retreat entstanden. Normalerweise ist die Idee eines Retreats ja, sich aus allem mal rauszuziehen und nur auf sich zu fokussieren. Aber erstens ist das mit Familie meist schlicht nicht machbar, und oft will man das ja auch gar nicht.

 

Wie sieht Dein Mittelweg aus?

 

Die Idee ist so ein bisschen die, einer „Großfamilie“, also zumindest hoffe ich, dass sich das so entwickelt. Es wird gemeinsame Aktivitäten mit den Kindern geben, beispielsweise muss am Ostersonntag natürlich der Osterhase kommen, das war eine Bedingung meiner Kinder, sonst hätten wir nicht wegfahren dürfen. Zu den Yogazeiten gibt es eine kompetente Kinder-Betreuung, damit die Mütter oder Väter den Kopf frei haben. Und den Rest der Zeit verbringt jeder mit seinen Lieben, wie er lustig ist. Ob das jetzt ein Ausflug in die Pyrenäen oder nach Lourdes oder eine Ayurveda Massage im Chez Zen ist, freie Zeit dafür wird es ausreichend geben.

 

Yogalehrerin und Yoga-Mama Miriam Langenscheidt MOMazing Yoga Mama Mami Blog Yogamama

Findest Du, dass Familien in der Yoga-Szene genügend Raum gewährt wird? 

 

Ich kenne einige tolle Yoga-Lehrerinnen, die gerade schwanger sind oder ein Baby bekommen haben. Vielleicht passiert da jetzt automatisch mehr. Man kann ja sowieso nicht mehr so richtig von „Szene“ sprechen, Yoga ist im Mainstream angekommen, und das finde ich in weiten Teilen auch toll. Demzufolge muss es natürlich auch Platz für Familien geben, wir wollen ja integrieren und nicht separieren. Was nützt mir die tollste Yogapraxis im Studio, wenn ich sie letztlich doch als von meinem „wahren Leben“ getrennt empfinde?

 

Du selbst bist Jivamukti-Yogalehrerin und unterrichtest bei Peace Yoga Berlin. Wie kann Jivamukti-Yoga Eltern bei den Herausforderungen des Alltags helfen?

 

Also zunächst mal glaube ich, dass jede Form von Yoga besser ist als kein Yoga. Was ich am Jivamukti Yoga so schätze, ist zum einen der runde Aufbau der Stunden. Du hast nach einer Open Class nie das Gefühl, dass etwas „fehlt“. Es ist ein physisch recht forderndes Training und wer je ein bockiges Kleinkind eine Stunde durch die Stadt getragen hat, weiß, dass Kraft und Ausdauer hier nur von Vorteil sind (lacht), aber abgesehen davon bietet es auch eine Menge an „mentalem Krafttraining“. Meditation ist zum Beispiel ein zentraler Bestandteil des Jivamukti Yogas. Wie auch Ahimsa, Gewaltlosigkeit gegenüber allen Lebewesen.  An dieser Stelle kommt wieder das bockige Kleinkind ins Spiel. Ähm. Scherz beiseite (lacht). Aber ich denke, es ist eine persönliche Sache, ob man Jivamukti -Yoga mag oder nicht, unabhängig davon, ob man Kinder hat. Wenn man sich wirklich nur auspowern und dehnen möchte, ist es vielleicht nicht ganz die richtige Yoga-Richtung.

Alles, was mir hilft im Einklang mit mir selbst zu sein, hilft mir auch als Mutter.

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Was gibt Jivamukti-Yoga Dir persönlich?

 

Für mich ist Yoga jedesmal eine Begegnung mit mir selbst und mit dem, was größer ist als wir. Mit Gott, wenn Du so willst. Also wirklich eine spirituelle Praxis und mein ganz persönlicher Weg. Diese große „Headline“ war aber nicht von Anfang an da, sondern hat sich im Laufe der Zeit entwickelt. Die Hingabe, die Dich die Praxis lehrt, erst durch die Anstrengung und später durch das absolute Loslassen im Shavasana, sind Zustände, die wir in unserer modernen westlichen Gesellschaft so ja gar nicht kennen, und wenn, meist durch Drogen hervorgerufen, und damit schließe ich ausdrücklich Alkohol ein. Überhaupt ist Hingabe für mich ein großes Thema, sich total in etwas fallen zu lassen. Das ist ja thematisch auch recht nahe am Elternsein dran, das mit der Hingabe.
Jivamukti Yoga trifft bei mir sehr viele Nerven.

 

Welche genau?

 

Ich liebe Musik, und ohne Musik ist eine Jivamukti-Stunde ja nicht denkbar. Philosophie, Ethik, damit kann ich mich ewig auseinandersetzen und auch die sind bei uns ja von gewisser Bedeutung. Ich komme einfach aus so ziemlich jeder Jivamukti Stunde glücklich raus, ob ich nun selber übe, assistiere oder unterrichten darf. So einfach ist es irgendwie.

 

Wie hilft Yoga Dir als Mutter?

 

Alles, was mir hilft, glücklich und im Einklang mit mir selbst und meiner Umwelt zu sein, hilft mir als Mutter. Man kann keine Energie geben, wenn man sie nicht hat. Elternsein ist mitunter ganz schön anstrengend, vor allem, wenn man auch noch berufstätig ist. Aber selbst, wenn nicht, verlangt es Dir ganz schön etwas ab, rund um die Uhr für ein anderes Lebewesen verantwortlich zu sein. Wo man sich auch noch schwer tut, sich Fehler zuzugestehen und ein bisschen großzügig mit sich selbst zu sein. Sich selbst, dem Leben und dem Entwicklungsprozess zu vertrauen. Wir sind ganz schön verkopft, hierzulande. Das ist Yoga für mich übrigens auch: eine Praxis, die hilft, Vertrauen zu entwickeln. Und Gelassenheit. Ich glaube, jetzt bin ich wieder bei der Hingabe … Im Ernst, all die super-coolen Yogahaltungen dienen unter anderem dazu, Dich herauszufordern, Deine Gelassenheit und Deinen Atem beizubehalten. Ob das jetzt im Schneidersitz oder im Unterarmstand ist: Bleib gelassen und lass Deinen Atem gleichmäßig fließen. Das lässt sich analog so wunderbar auf das Leben übertragen, gerade auch auf das Leben mit Kindern. Die eigentliche Übung fängt ja dann an, wenn Du zum zehnten Mal nachts aufstehst, weil die Kinder krank sind.

 

Hat Dich Yoga in Deinem Muttersein verändert?

 

Ja. Und in allen anderen Aspekten meines Lebens.

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Ich habe das Gefühl, dass der Mama-Alltag in mein Yoga integriert wird.

Hast Du einen SOS-Tipp für anstrengende Mama-Momente?

 

Was bei mir Wunder wirkt, wenn es die Umstände zulassen: Kurz die Situation verlassen und für zehn Atemzüge in den Nach-Unten-Schauenden-Hund gehen. Oder man hat  idealerweise eine regelmäßige Meditationspraxis und versucht, den Moment nur wahrzunehmen, ohne sofort darauf reagieren zu müssen. Das nimmt eine ganze Menge Dampf raus. Sri Brahmananda Sarasvati, der Lehrer meiner Lehrerin Manorama, hat mal gesagt: „Du musst nicht jeden Tag praktizieren. Aber wenn Du Deine Praxis wirklich nötig brauchst, hoffst Du, dass Du es getan hast.".

 

Wie integrierst Du Yoga in Deinen Mama-Alltag?

 

Manchmal ist es eher so, dass ich das Gefühl habe, dass der Mama-Alltag in mein Yoga integriert wird (lacht). Meine Mädchen können zum Beispiel schon ziemlich gut das Gayatri Mantra in verschiedenen Versionen singen. Das gibt’s öfter als Gute-Nacht-Lied. Und Harmonium spielen mag die ganze Familie. Asana übe ich meist, wenn die Mädchen in der Schule sind, am liebsten früh, da bin ich am fittesten. Am Wochenende übernimmt Papa auch gerne, das ist ein ziemlicher Luxus.

 

Stimmt! Vielen Dank, liebe Miriam!

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Zum Retreat gehört außerdem ein Glücks-Workshop von Redner und Bestseller-Autor Dr. Florian Langenscheidt. Was man dort lernt, erklärt er hier:

In einem lockeren und interaktiven Workshop möchte ich mit den Eltern und Kindern ergründen, was Glück ist, warum es das Ziel unseres Seins darstellt, warum wir nicht immer glücklich sein können und wie man es schafft, mehr Glück ins Leben zu lassen. Ein paar Stichwörter: Weniger ist oft mehr – Glück. Die kleinen Momente sind die großen. Glück wohnt nicht im Tresor. Was im Leben wirklich zählt. Glück ist eine Entscheidung.

Für Deinen privaten Glücks-Workshop zuhause empfehle ich Dir Finde dein Glück: Was im Leben wirklich zählt - Ein Buch zum Ausfüllen (Werbelink) von Florian Langenscheidt.

Werbelink

Das Happy Easter Yoga Retreat richtet sich an Familien mit Kindern ab sechs Jahren (jünger nach Absprache). Alle weiteren Infos bekommst Du hier.

 

 

Fotos: Jorinde Gersina

 

 


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