Mama-Baby-Yoga-Retreat // Ein Reise-Tagebuch

Von Dublin nach Föhr zu sich selbst: Aufzeichnungen einer Yogamama

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Du möchtest gerne mehr zum Thema Mama-Baby-Yoga-Retreat erfahren? Am liebsten aus erster Hand? Dann habe ich heute etwas ganz Besonderes für dich: Teilnehmerin Melanie aus Dublin hat für MOMazing ihr Reisetagebuch geöffnet, in dem sie sehr persönlich und offen über Hindernisse und Höhepunkte der Mama-Auszeit auf Föhr mit ihrer kleinen Tochter Íde erzählt. Die Reise auf die Nordsee-Insel wurde für sie auch zu einer Reise zu sich selbst. Getreu dem Motto: Der Weg ist das Ziel …


An einem regnerischen Tag in Dublin, übernächtigt und unter Yoga-Entzug leidend, fasste ich den Entschluss, mir zu meinem 40. Geburtstag eine Yoga-Auszeit zu schenken. Aber Yoga-Auszeiten wie ich sie bisher kannte, hatten keinen Platz für Babys und eines stand fest: Meine kleine Tochter Íde muss mit! Insbesondere weil ich sie noch immer nach Bedarf stille.

 

Eine Google-Anfrage zeigte mir drei Möglichkeiten (in Europa): London, Ibiza und – die Nordsee-Insel Föhr. London und Ibiza wären für uns aus Dublin, wo ich an der Uni arbeite und mit meiner Familie lebe, vermutlich leichter zu erreichen gewesen, aber Föhr ließ innere Bilder von Weite, Watt und weißen Stränden vor meinem inneren Auge entstehen. Allein das wirkte schon sehr entspannend auf mich. Ja, die Momazing&Makai Yoga-Mama-Auszeit im Hoftel auf der Nordsee-Insel Föhr sollte es sein! Und am zweiten Mai ging's schon los …

Aus Hindernissen wurden wunderbare Erlebnisse

Anreise, Dienstag, 2. Mai 2017

 

Um sieben Uhr morgens saßen Íde und ich im Taxi und die abenteuerliche Reise Richtung Yoga-Auszeit sollte beginnen. Ich hatte viele Geschichten über das Alleine-Reisen mit Baby gehört und war etwas angespannt, zumal ich auch mit einem leichten (stressbedingten) Milchstau zu kämpfen hatte.

 

Uns wurden auf der Anreise einige Steine in den Weg gelegt, denen Íde und ich jedoch mit viel Aufmerksamkeit begegneten und so wunderbare Erlebnisse gewannen.

 

  • Die nette Dame aus Lübeck, die mich mit ihrer Muttergeschichte inspirierte und uns mit dem Gepäck half, hätte ich wohl nie kennengelernt, wenn unser Flug nicht drei Stunden Verspätung und unser Abflugs-Gate sich nicht vier Mal geändert hätte.

 

  • Ebenso wenig wie die nette Polizistin (auch eine Mama), die uns in Hamburg zur Bahn begleitete und wir somit unseren Zug nach Dagebüll gerade noch rechtzeitig erreichten, nachdem das Gepäckband blockiert war und unsere Verspätung vergrößerte.

 

  • Oder die nette Ur-Großmama im Bahnabteil, in dem wir Platz fanden, nachdem das Abteil in dem wir Sitzplätze reserviert hatten, an diesem Tag nicht existierte. Sie hielt Íde vier Stunden lang mit originellen Spielen bei Laune. Und mich mit ihrer interessanten Lebensgeschichte!

 

Die Überfahrt mit der Fähre hatte etwas Befreiendes, Seemeile um Seemeile schien die Belastung der stressigen Anreise und die Sorgen des Alltags mehr und mehr in die Ferne zu rücken.

 

Gegen 20 Uhr erreichten wir endlich das Hoftel und fielen nach einer sehr netten Begrüßung und Einführung von Gastgeber Sjirk erschöpft, aber auch stolz, dass wir die Reise alleine geschafft haben, ins Bett … Dem Motto unseres Zimmer-Schüssels entsprechend „happy“. Dieses Wort prangte nämlich auf unserem Anhänger.

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Ich halte inne und bedanke mich für den schönen, entspannenden Moment mit meiner Tochter

Mittwoch, 3. Mai 2017

 

Sonnig begrüßte uns unser erster Morgen auf Föhr. Das geräumige, freundlich-helle Zimmer animierte mich spontan zu einem Sonnengruß, den Íde mit happy Lauten begleitete. Ich halte inne und bedanke mich für den schönen, entspannenden Moment mit meiner kleinen Tochter, dem an diesem Tag viele folgen sollten.

 

Nach einem wunderbaren, gesunden Frühstück machten wir uns mit dem Fahrrad und tollen Tipps von Gastgeberin Anne-Claire auf, unsere Umgebung näher zu erkunden. Íde und ich spielten im Sand am schönen Nieblumer Strand und kuschelten uns mit einem leckeren Snack in einen der bunten Strandkörbe mit Ausblick auf Amrum und die Halligen. Mama-Tochter-Zeit genießen.


Am Abschluss des Tagen beim Klönen mit kinderlieben Insulanern und frischer Waffel mit Obst, spürte ich eine wohlige Wärme in mir: Ja, unser Urlaub hat definitiv begonnen!

Gar nicht so einfach: Ich übe mich im Loslassen und Selbstliebe

Donnerstag, 4. Mai 2017

 

Ein neuer Sonnentag und schon beim Aufwachen fühlte ich ein Kribbeln in meinen Zehen bei dem Gedanken, dass heute die Yoga-Auszeit beginnt: Wie die anderen Teilnehmer und Kursleiter wohl sind? Die Atmosphäre im Hoftel ist so offen und freundlich, dass wir uns bereits mit einer sehr netten Yogamama und ihrem Kind ausgetauscht haben.

 

Am Morgen ging’s wieder zum Schaukeln an den Strand und wir hatten viel Spaß während unserer kleinen Radtour, bei der meine Kleine begeistert Hasen auf offenem Feld beobachtete und den Schrei von Fasanen zu ihrem Laute-Repertoire hinzufügte.


Die eigentliche Yoga-Auszeit begann am Nachmittag mit einer von Lachen und anregendem Stimmengewirr untermalten Tea-Time in der gemütlichen Tenne. Bei leckerem Tee und Gebäck stimmten wir uns mit Yogalehrerin Kathrin auf die erste Yoga-Session des Retreats ein.

 

Auch Babysitter-Großmutter Sisele war hier dabei, die uns Mamas ermöglichte, auf Wunsch ohne Kinder an den Yoga-Stunden teilzunehmen.  Fröhlich erzählte sie mir von ihrer friesisch-englischen Familie, eine Gemeinsamkeit mit unserer irisch-deutschen Familienbande, die Vertrautheit schaffte.

 

Es war heute das allererste Mal, dass ich Íde in die Obhut von jemandem außerhalb meines engsten Familienkreises gegeben habe. Ein mulmiges Gefühl verbunden mit „schuldbewußter“ Vorfreude auf eine volle Yogastunde nur für mich!

 

Alles lief gut, ich habe meine Yoga-Praxis genossen. Genau in dem Moment, in dem sich Schuldgefühle in mein Bewusstsein drängten, hielt Kathrins Reflektion über das Muttersein und die gelebte Selbstliebe mich zu Achtsamkeit an. Ganz bewusst fokussierte ich meine Ängste und Sorgen und ließ sie dann los. Final allerdings erst, als ich meine fröhlich lachende, zufriedene Tochter entspannt nach der Yoga-Stunde wieder in meine Arme  schloss. Uff, alles gut gegangen, und ich hab sogar geschafft, während der Meditation abzuschalten.

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In mir machte sich eine wachsende innere Ruhe breit

Freitag, 5 Mai 2017


Nach einem fröhlichen Frühstück an der langen Tafel, bei dem Íde von einem etwas älteren Kind lernte, eine Drachenrutsche hinauf zu klettern, und ich mich angeregt mit anderen Mamas über Fragen zu Kind und/oder Karriere austauschte, ging es wieder auf die Matte. Dieses Mal mit Íde. Die Kindergruppe war zu einem Spaziergang mit Bollerwagen auf den benachbarten Bauernhof aufgebrochen und ich musste mir eingestehen, dass die „unsichtbare Nabelschnur“, die mich mit Íde verbindet, nun doch nicht so lange ist, sie mit den anderen nach draußen zu lassen.


Die Yoga-Session fühlte sich für mich erstmal wenig entspannend an. Íde war zu Beginn noch okay, aber sie wurde schnell müde und wollte an die Brust. Ich fühlte mich egoistisch bei dem Versuch, dennoch der Yoga-Praxis zu folgen, statt den Raum mit meiner Kleinen zu verlassen. Nun sorgte ich mich nicht nur um Ídes Schlaf, sondern auch darum, was wohl die anderen Yogis von der Mami hielten, die ihre quengelige Tochter mit in die Yogastunde schleppt.


Als ich mit diesen Gedanken in der Kind-Position lag, rezitierte Kathrin eine Reflektion zum imperfekt-perfekten Mutterdasein, die so durchaus den Nagel auf den Kopf traf, dass mir nun die Tränen die Wangen hinunterliefen.


Überwindung und Grenzüberschreitung, zwei Worte die mir in den Sinn kommen, wenn ich meine Eindrücke dieses Tages reflektiere.

 

  • Zum einen ist es mir am Nachmittag tatsächlich gelungen, meine Nabelschnur etwas zu verlängern, und Íde mit den Auszeit-Großeltern in der Karre nach draußen zu lassen.

 

  • Zum anderen waren dies zentrale Aspekte unseres Mama-Mittagstisch-Austausches: Ich lernte hier von einigen Mamas, wie sie das alt-bekannte Mantra „das Kind dem Job anpassen“ veränderten und ihr Mutterdasein zum zentralen Punkt ihres Lebens machten. Einige, indem sie berufliche Tätigkeit ihrem Mutterdasein anpassten, andere, indem sie erst mal ihren Job aufgaben, um sich voll und ganz ihrem Kind zu widmen.

 

  • Ich denke an das nahende Ende meiner Elternzeit nicht mehr nur mit Ängsten und Zweifeln, sondern mit mehr Hoffnung, kreativ und balanciert meinen Arbeitsalltag gestalten zu können.


„Lass den Moment zur Ewigkeit werden“, ein Mantra, das Kathrin mit uns während der Nachmittags-Session teilte, half mir, mich in das Hier und Jetzt zurückzubringen, die Zukunftssorgen zu erkennen und los zu lassen. Ich habe es genossen, mich ganz und gar auf die Asanas zu konzentrieren und eine wachsende innere Ruhe gespürt.

Heute traute ich mich nach langer Zeit wieder in den Schulterstand und es war super!

Nach einer erholsamen Nacht und einem guten Frühstück fiel es heute leichter, Íde in die Obhut der Auszeit-Großeltern zu geben und ich habe eine ruhige und zugleich anregende Yogastunde genossen.

 

Zum ersten mal befreite ich mich auch von Sorgen um mein physisches Wohlbefinden. Aus Angst vor eventuellen Verletzungen habe ich lange Zeit sämtliche Asanas vermieden, die den unteren Rückenbereich zu sehr belasten. Aber heute traute mich wieder in den Schulterstand, und es war super!


Gestärkt von meiner Selbstüberwindungserfahrung ging’s am Nachmittag mit neuen Yogi-Freunden nach Wyk. Fischbrötchen und Friesentorte gaben uns die rechte Basis, die idyllische kleine Stadt mit unseren Mädels zu erkunden und uns angeregt über Reise- und Lebenspläne auszutauschen.

 

Verzückt lauschte Íde einem Leierkastenmann, bevor es wieder aufs Rad und zurück in unser Yogamama-Auszeit-Zuhause ging, nicht ohne die ruhige Atmosphäre im veträumten Örtchen Nieblum nochmals zu genießen.

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Tanzend und mit Wind in den Haaren hieß es Abschied nehmen

Tanzend und mit Wind in den Haaren hieß es heute Abschied nehmen.
Letzter Tag unseres Föhr-Yoga-Abenteuers. Mit einer Doppel-Yoga Session, eine mit und eine ohne Baby bekamen wir die rechte Zen-Energie für unsere Heimreise. Tanzend zu „I am happy“ von Snatam Kaur befreite ich mich von besorgten Heimreisegedanken beim Mama-Baby-Yoga.


Es fiel schwer, Abschied zu nehmen, obwohl dieser von Anne-Claires Leckereien und dem das Herz wärmende Tee versüßt wurde. Nach einer herzlichen Verabschiedung vom Hoftel und den Kursteilnehmern nahm unsere Fähre Kurs gen Festland. Mit jeder Seemeile festigte sich meine Überzeugung, die innere Ruhe und Achtsamkeit die ich in den letzten Tagen erfahren habe, in meinem Herzen wachsen zu lassen und wiederzukommen.

 

Eines ist sicher, mit positiver Yoga-Energie im Gepäck fällt das  „alleine Reisen mit Baby“ wesentlich leichter.

 

Wir hatten eine tolle Zeit und ich bin relaxed wieder in meinem Leben in Dublin und in mir selbst angekommen.

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Vielen Dank, liebe Melanie, für das Teilen deiner sehr persönlichen Reise-Eindrücke.

 

Mamasté, mein Mutterherz grüßt dein Mutterherz,

 

Deine Kathrin

 Fotos: privat, Mama-Baby-Yoga: Nilay Pavlovic

 

 


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Komm mit auf unsere nächste Mama-Auszeit auf Föhr vom 9. bis 12. November 2017!

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