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Blubbmasté! Schwangerschafts-Yoga im Wasser // Aqua-Mama-Interview

Aqua-Yogalehrerin Maya im Interview über Wasser, Wehen und Wohlfühl-Yoga in der Schwangerschaft

Schwangerschafts-Yoga im Wasser. Aqua-Mama Maya Kerpenisan im Interview mit MOMazing – Das Mama Yoga Love Mag

Heute möchte ich dir Maya Kerpenisan (48) aus Düsseldorf (NRW) vorstellen. Die Mama von zwei Söhnen (16 und 10 Jahre) und ich haben eine große Gemeinsamkeit: Wir lieben Bewegung im Wasser! Maya vielleicht noch ein bisschen mehr als ich. Die Prä-und Perinatal Psychologin hat sich auf intensive Körperarbeit in 35 Grad warmem Wasser spezialisiert und unterrichtet seit 2013 Aquayoga in Kursen und Workshops in ganz Deutschland. Und genau dazu wollte ich ALLES von ihr wissen. Herausgekommen ist ein fließendes Gespräch über Schwerelosigkeit mit Babykugel, schwebende Cosmic Babys und Shavsana im Swimming Pool …


Liebe Maya, was bedeutet das Element Wasser für dich persönlich?

 

Maya Kerpenisan: Wasser ist mein Lebenselixier! Es ist wirklich der größte gemeinsame Nenner der gesamten Menschheit und das fasziniert mich.

 

 

Kannst du das bitte etwas genauer erklären?

 

Ausnahmslos jeder hat die ersten Monate seines Lebens im warmen Fruchtwasser verbracht. Das ist wie eine gigantische gemeinsame Basis, die alle Unterschiede zwischen Menschen mit ihrer persönlichen Geschichte bedeutungslos machen kann. Ist das nicht unglaublich? Es ist auch gleichzeitig die Grundlage, warum Behandlungen und Yoga im warmen Wasser so gut funktionieren. Unsere ganze Körpergefühls-Sphäre verfügt über etwas, was ich „Organische Erinnerung“ nenne. Wir alle haben eine intensiv erlebte Zeit im warmen Fruchtwasser unserer Mütter verbracht und daran „erinnert“ sich sowohl unser Körper, als auch unsere Seele. Diese Erinnerung ist nicht bewusst, und das ist auch nicht nötig. Damit arbeite ich im Aquayoga. Der Körper „antwortet“ auf warmes Wasser zunächst einmal mit einem ganz großen wohligen: Ja! Das ist eine tolle Grundlage für Yoga im Wasser.

 

 

Neben diesem wohligen Ja – wie sieht der Zusammenhang zwischen Wasser und Yoga aus? Siehst du das als Trend oder Tradition?

 

Unter indischen Gurus und Yogis gibt es seit unfassbar langer Zeit sehr asketische Vertreter, die stundenlang im warmen Wasser im Lotussitz liegen können. Auch Meditationen im warmen Wasser haben in Indien eine lange Tradition. Für mich ist das absolut einleuchtend. Klar, in Indien ist es in weiten Teilen des Landes über lange Strecken des Jahres ziemlich warm und auch das Wasser hat an bestimmten Orten gerne mal fast 30 Grad. Es war nicht leicht für mich, hier in Deutschland einen Bad-Betreiber zu finden, der bereit war, mir das Becken fürs Aquayoga auf 35 Grad Aufzuheizen. Denn diese Temperatur muss das Wasser haben. Die Temperatur spielt die alles entscheidende Rolle.

 

Wie fließen Yoga und das Element Wassser deiner Meinung nach sonst noch zusammen?

 

Wenn ich Yoga als einen Weg beschreibe, der uns durch Asanas, Atmung und Meditation die Integration von Körper und Seele ermöglicht, dann könnte man den Bezug zum Wasser folgendermaßen beschreiben: Im Wasser können wir uns mit unglaublicher Leichtigkeit und Anmut dem Fluss des Lebens hingeben. Wasser symbolisiert die Reinheit unseres tiefsten Inneren. Ich meine damit  etwas ganz Unberührtes und Unschuldiges. Es gibt in den verschiedenen Yoga-Stilen und Traditionen ja auch Bhakti Yoga und Yin-Yoga. Yin ist mit allen Eigenschaften des Wassers und der Weiblichkeit verbunden und da wären wir beim Thema. Das Wasser nährt und stärkt unsere Weiblichen Fähigkeiten, wie zum Besipiel Hingabe und Intuition – und sind diese Eigenschaften nicht für Schwangere und Mamas von essentieller Bedeutung?

 

Absolut! Du sprudelst nur so vor Begeisterung für dein Thema! Da muss ich dich gleich noch fragen: Welche Bedeutung hat Wasser für Frauen in anderen Kulturen?

 

Wasser wird kulturübergreifend als Symbol des Lebens und des Wandels angesehen. Da Frauen Lebensspenderinnen sind, gibt es wohl kaum eine Kultur, in der Wasser für Frauen und damit auch potentielle Mütter nicht wichtig ist. Der Mond, die Prinzipien des weiblichen Zyklus, auch eine Art Ebbe und Flut, stehen in allen Kulturen im symbolischen Zusammenhang mit Wasser. Im Indischen Bhavishyotara Purana wird Wasser als Ursprung der ganzen Existenz gesehen. Wenn ich noch mal auf den Zusammenhang des Wassers mit Leben und Phasen des existentiellen Wandels eingehe: Zu keiner Zeit unseres Lebens sind wir mit diesem Thema stärker konfrontiert, als in der Schwangerschaft. Das ist doch existentielle Transformation pur! Und das gilt wirklich für alle Kulturen und alle Mütter weltweit und seit Menschengedenken. Darstellungen der ältesten Gottheiten zeigen eine schwanger aussehende Frau, die auf einem Reittier durch die Ozeane reitet …

Schwangerschafts-Yoga im Wasser. Aqua-Mama Maya Kerpenisan im Interview mit MOMazing – Das Mama Yoga Love Mag

„Yoga im Wasser ist leicht und sanft“

Was unterscheidet Yoga im Wasser vom Yoga an Land?

Der größte Unterschied ist vielleicht die Tatsache, dass es so leicht und sanft ist. Und natürlich auch, dass man Asanas schwebend ausüben kann. Das ist doch vollkommen abgefahren! Meine Teilnehmer sind davon absolut begeistert. Es gibt natürlich noch sehr viele weitere Unterschiede. Essentiell ist zum Beispiel auch die Atmung. Das ist  auch ein Kernelement des Yogas. Im Wasser muss man ja gegen den hydrostatischen Druck anatmen. Dadurch macht man es automatisch immer richtig. Meditationen im Wasser werden als sehr intensiv erlebt. Selbst eingefleischte Profis sind immer wieder erstaunt, wie schnell man in so eine Art Tiefenentspannung gleitet. Ich nenne das gerne:  „Algengefühl“. Jedenfalls genießen vor allem die schwangeren Frauen in ihrem letzten Trimester das leichte, sanfte, im wohlig warmen Wasser Schweben.

 
Welche Asanas lassen sich im Wasser besonders gut machen?


Ich bin immer wieder erstaunt mit welcher Kreativität man viele Asanas auch im Wasser machen kann. Mit Nasenklemme ausgerüstet sogar den herabschauenden Hund! Handstand sowieso. Aber das mache ich eher selten. Ich richte mich immer nach den Bedürfnissen der Teilnehmerinnen. Schweben und Wassermeditation liegen ganz klar Vorne. Alle Übungen, die die Achtsamkeit und die Wahrnehmung des Babys im Bauch fördern, sind auch sehr beliebt. Der absolute Favorit ist das Cosmic Baby. Dabei nehmen die Schwangeren schwebend eine vergleichbare Position ein, wie das Baby in ihnen. Das ist oft mit sehr viel Emotion verbunden. Diese Verbundenheit so intensiv zu spüren. Jede auf ihre ganz eigene Art und Weise und doch mit den anderen Mamas und deren Babys. Das sind für mich heilige Momente. Im Yoga an Land heißt diese Asana ja auch: Kindsposition, Balasana. Diese Position ist eben unglaublich entspannend und beruhigend. Das lieben Schwangere, denn sie spüren, wie sich das auf ihr Baby überträgt und wie es sie mit dem Baby verbindet.

 

 

Was ist mit Shavasana?

 

Das ist auch ein Highlight in der Stunde – wie in Yogastunden an Land! (lacht) Man liegt ganz versunken schwebend in der ausgestreckten „Ruhestellung“. Für Shavasana führe ich meine Teilnehmerinnen Schritt für Schritt an die Entdeckungslust der eigenen Schwebfähigkeit heran. Schwerkraft kennt jeder, aber durch die eigene Atmung, durch Vertrauen und liebevolle Aufmerksamkeit sich selbst gegenüber ermutigt, die eigene Schwebkraft zu entdecken und auszubauen, das kann eine überwältigende und doch sehr stille Erfahrung sein. In Shavasana leite ich meine Schüler auch immer an, den Atem zu beobachten und Gedanken gegen die Atmung auszutauschen. Es scheint sehr gut zu funktionieren, denn ich muss eigentlich alle am Ende der Stunde sanft wieder zurück auf den Boden bringen. Danach machen wir dann auf jeden Fall noch ein erdendes Element.

 

Was macht insgesamt den Zauber von Aquayoga aus?

 

Da kommt Einiges zusammen. Sehr verführerisch ist sicherlich die Tatsache, dass man sich als Schwangere beim Aquayoga in genau dem Fluidum befindet, in dem sich das Baby in einem auch schwebend befindet. Diese Dopplung hat auf Schwangere einen tiefgreifenden Einfluss. Natürlich leite ich das ganz allgemeinverständlich an und ich zeige den Frauen auch, wie sie im Wasser Kontakt zum Baby aufnehmen können. Sie berichten dann auch ziemlich oft spontan und auch ziemlich überrascht, dass ihre Babys ganz intensiv darauf reagieren. Die Frauen spüren, dass ihre Babys die Ruhe, Enstpannung und Sanftheit der Berührung sehr genießen. Sie spüren, dass sich auch die Babys entspannen. Oder sie sind überrascht, wie unglaublich weich und leicht ihr Bauch sich im Wasser anfühlt. Schwangere erleben ihre Bauchdecke in einer ersten Schwangerschaft häufig als ziemlich fest, oder auch angespannt. Beim Aquayoga verschwindet dieser Spannungstonus oft nach wenigen Augenblicken. Das überrascht sehr viele Frauen. Durch den weicheren Tonus haben sie oft den Eindruck eines viel besseren und intensiveren Kontakts mit ihrem Baby.

 

 

Und zum Ende der Schwangerschaft genießen sie wahrscheinlich nur noch die Schwerelosigkeit …


Ja, denn vor allem Schwangere im letzten Trimester klagen häufiger über Symphysen-Schmerzen oder Schmerzen im unteren Rückenbereich. Diese Symptome verschwinden im Wasser und zwar durch die enorme Reduktion der Schwerkraft. Dadurch werden die Gelenke im unteren Rücken und im Bereich des Schambeins total entlastet. Ich zeige den Frauen dann, wie sie ihr Baby einladen können, damit diese Beschwerdefreiheit auch an Land bestehen bleibt.

Schwangerschafts-Yoga im Wasser. Aqua-Mama Maya Kerpenisan im Interview mit MOMazing – Das Mama Yoga Love Mag

„Bedingungsloses Vertrauen oder Urvertrauen nähren, das ist etwas sehr Wesentliches als Vorbereitung auf eine Geburt.“

Wie bereitet Aquayoga auf die Geburt vor?

 

Das ist eine Frage, die mich vor eine große Herausforderung stellt: Gibt es das – die Geburt? Die Gebärende ist für mich zunächst eine individuelle Frau, der ich mit ganz viel Wertschätzung und Warmherzigkeit begegne. Und Gebärfähigkeit setzt sich aus so vielen unterschiedlichen Facetten zusammen. Gebärfreude, Gebärlust sind wichtige Aspekte. Hingabe, Mut und allen voran Vertrauen sind essentiell. Jede Geburt bedeutet für jede Frau und auch jedes Baby eine existentielle Konfrontation und nicht immer haben wir das Glück, diese Situation autark steuern und bestimmen zu können. Ich nehme die Frauen in all ihren Facetten ernst, auch ihre eventuellen Ängste oder Befürchtungen, die sich ziemlich oft eben auch in Verspannungen äußern können.
Meine Yogastunden sind so aufgebaut, dass sie immer einen Schwerpunkt der oben genannten Themen haben, aber gleichzeitg alle Aspekte aufgreifen, die ich dann  in die Übungen einfließen lasse.

 

Hast du ein Beispiel?

 

Es kann vorkommen, dass wir während einer Yogastunde gemeinsam ein Mantra entwickeln, was wir in der Abschluss-Meditation im Kontakt mit den Babys zum Ausdruck bringen. Etwas wie: „Ich bin bei Dir“. Diesen Kerngedanken schicken wir dann atmend und meditierend an die Babys. Selbst Frauen, die das zu Beginn vielleicht noch kritisch beäugen, spüren, wie wohltuend das ist. Auf unendlich leichte Art „arbeiten“ wir so an einer Basis für tiefes Urvertrauen. In Einzelsessions kann man das dann vertiefen, wenn man möchte. Bedingungsloses Vertrauen oder Urvertrauen nähren, das ist etwas sehr Wesentliches als Vorbereitung auf eine Geburt.

 

Hattest du selbst auch Wassergeburten?

 

Ich war zwar am Tag von beiden Geburten noch im Wasser, hatte aber selber keine Wassergeburt. Bei meinem ersten Baby war ich durchdrungen von einem tiefen Wunsch zu gehen, eine Art Schreiten. So etwas ist ja unerklärlich. Das ergibt sich einfach während des Geschehens. Ich war von Beginn der Schwangerschaft sehr stark mit meinem Baby und auch mit meinen ursprünglichsten Intuitionen verbunden. Es war einfach klar: Los, Mama! Laufen! Meine erste Geburt war wunderschön und sehr sehr kraftvoll! Bei meiner anderen Geburt war es absolut anders: Ich war auf eine für mich damals ganz wundersame Art und Weise so schläfrig. Eine Art Trancezustand, der sich ganz harmonisch und organisch von alleine eingestellt hat und den ich sehr genossen habe. Das Baby hat dann sein eigenes Wasser mitgebracht. Mein zweiter Sohn ist in der geschlossenen Fruchtblase, wie in einem eigenen Airbag zur Welt gekommen.

 

 

Welches Learning können wir aus dem Wasser mit an Land nehmen?

 

Eine ganz wesentliche Erkenntnis ist: Viele Frauen haben Angst vor den Schmerzen einer Geburt. Nur im Deutschen heißen Wehen, Wehen – das verbindet man dann mit Weh-Tun. Im englischen trifft es das Wesen aber viel viel eindeutiger: Es heißt Waves, also Wellen. Da liegt doch eine der tiefsten Analogien, zu dem, was ich mache: In dem ich mich Yoga praktizierend dem Wasser hingebe, erfahre ich sehr viel über das Wesen des Wassers, intuitiv werde ich ein Teil dieses Wassers und dieser Wellen. Das ist ein großes Geheimnis, welches die Frauen im Wasser da für sich entdecken können, wenn sie sich öffnen.

„Alles fließt“

Was ist der schönste Satz, den du nach einer Stunde von einer Schülerin gehört hast?

 

„Das ist das Beste, was mir je passiert ist! Die Teilnehmerin war über 80 und war selber eine Frühgeburt. Sie hat es in der Yogastunde plötzlich im Kreise der andere Frauen, die alle Schwanger waren, erinnert. Ich glaube, sie hatte sich in den Kurs verlaufen und wurde dann in den Kreis der Mamas sehr liebevoll aufgenommen. Das hat mich sehr berührt. Jetzt kommt sie allerdings in einen anderen Aquayoga Kurs, wo es eher um Selbstliebe und Achtsamkeit geht.
Ich kriege aber generell immer wieder sehr besondere und dankbare Rückmeldungen von meinen Schwangeren und Nichtschwangeren Schülerinnen. Ehrlich gesagt ist aber das Allerschönste, das, was ich mit meiner liebevollen Aufmerksamkeit „lesen“ kann. Das ist eine Art von Verwandlung meiner Teilnehmerinnen und darin kommt etwas Nonverbales, so etwas, wie ein großer und unschuldiger Glücksmoment zum Ausdruck.

 

 

Wie lautet dein Mama-Mantra?

 

„Alles Fließt“. Das bedeutet, nichts bleibt, wie es ist. Was mir jetzt anstrengend oder hart vorkommt, ist mit ein bisschen Abstand vielleicht ganz leicht. In diesem Sinne: Warm Waves! Und: Mamasté!

 

 

Vielen Dank für das Gespräch, liebe Maya!

Mehr zu Maya Kerpenisan:

Schwangerschafts-Yoga im Wasser. Aqua-Mama Maya Kerpenisan im Interview mit MOMazing – Das Mama Yoga Love Mag

Mehr zu Maya und ihrem Kursangebot für Schwangere und Neu-Mamas findest du auf der Aquamama-Homepage.


 Fotos: Dobrivoie Kerpenisan

 

 


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