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Von Shiva, Shakti und dem Wehensimulator // Alles zu Kundalini Yoga in der Schwangerschaft

Hier erfährst du alles über die wohltuende Yoga-Form für Moms-to-be!

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Kundalini-Yoga in der Schwangerschaft? Immer eine gute Idee! Warum tut es so gut?, Was macht diesen Yoga-Stil so besonders?, Wie wirkt er?, Warum werden Mantren gesungen und was hat es mit einer Übung namens Wehensimulator auf sich? Die Antworten darauf und noch viel mehr, hat die super-erfahrene Dreifach-Mama und Kundalini-Yogalehrerin Bettina Sat Hari Kaur (58) aus Hamburg parat. Sie unterrichtet seit über 30 Jahren Kundalini-Yoga für Schwangere und bildet Lehrernachwuchs auf diesem wichtigen Gebiet aus. Ihr persönlich geschriebener Artikel schenkt nicht nur werdenden Mamas wertvolle Einblicke!


Als ich 1982 mit meinem ersten Kind schwanger war, habe ich mich bewusst auf die Suche nach der Yogaform gemacht, die sich für mich richtig anfühlte. Ich bin mit meinem damaligen Freund und dem Vater meines Kindes durch ganz Europa gereist, um ein yogisches Zuhause für uns zu finden.  Ich habe alle möglichen Yogaformen ausprobiert und mich in die dazugehörigen Yogaphilosophien vertieft, aber sämtliche Yoga-Formate, die ich kennenlernte, erschienen mir zu wenig „weiblich“.

 

In Amsterdam wurde ich endlich fündig. Ich nahm an meiner ersten Kundalini-Yogastunde teil. Die Lehrerin sagte in die Runde weiblicher Schülerinnen:

 

„Du bist eine Göttin.“

 

Dieser Satz, in Verbindungen mit den intensiven Übungen, erfüllte mich mit Freude und ich wusste: „Hier bist du richtig. Du bist angekommen!“

Hatha Yoga versus Kundalini-Yoga

Hatha bedeutet übersetzt „Kraft“ oder „Hartnäckigkeit“,  aber auch „Sonne / Mond“. Die Betonung im Hatha Yoga liegt eher auf Körperübungen.


Kundalini-Yoga fokussiert auf die Kraft der Kundalini und setzt hierfür Körper-, Atem- und Meditationsübungen gleichermaßen ein.  
Kundalini ist die Form der Energie, welche die Dualität zwischen der warmen, animalischen Natur des Menschen (Shakti) und seinen kühlen und klaren Geistesanteilen (Shiva)  aufheben kann.

 

Die Kundalini-Energie wird mit einer Schlange verglichen, die an der Basis der Wirbelsäule in dreieinhalb Windungen schlummert. Wenn sie erweckt wird, vereinigt sie sich mit dem Pol des Menschen, der sich am Scheitelpunkt seines Kopfes befindet. 

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Die Kundalini ist unser kreatives Potential

Einige stellen sich die Vereinigung von Shiva und Shakti, die Aufhebung unserer inneren Spaltung, wie ein buntes, flirrendes und spritziges Feuerwerk vor. Andere haben Angst, dass das Aufsteigen der Kundalini einen funkenstiebenden Kurzschluss verursachen könnte. Doch es ist so, dass die Kundalini niemals nur ruht. Kundalini ist die Bezeichnung für essentielle Lebensenergie und sie fließt unentwegt, aber nicht mit ihrem gesamten Potential, sondern sie ist dem jeweiligen Bewusstsein des Menschen angepasst. 

 

Ein Landarbeiter, der seinen Geist nie geübt hat und sich deshalb möglicherweise auf einer anderen Bewusstseinsebene befindet als ein indischer Yogi oder tibetanischer Mönch, die ihre Leben wiederum der Verfeinerung ihres Geistes und ihrer Sinne widmen, wird sich manchmal auch von Lebensfeuer und tiefer Kreativität durchflutet fühlen. Seine Wahrnehmung dessen ist vielleicht, dass er sich besonders kraftvoll fühlt, die Welt ihm bunter und lebendiger vorkommt, dass er Bäume ausreißen könnte vor Energie und dass er gleichzeitig in seiner Mitte ruht. 

 

Der Yogi im Himalaya kann, weil sein Körper, sein Nervensystem und seine Sinne durch stetes Üben fein und durchlässig wurden, womöglich ein kosmisches Feuerwerk erleben, tiefe Wahrheiten erkennen und Ekstase erfahren, wenn Shiva und Shakti sich vereinen und seine Kundalini steigt.

Tatsache ist, dass mit dem Begriff Kundalini die uns Menschen innewohnende heilende Ur-Energie gemeint ist, die den Meisten von uns bekannt ist und die wir unbewusst vielleicht sogar vermissen. Die Kundalini ist nichts, was außerhalb des Wahrnehmungshorizontes eines normalen Menschen stehen muss. Die Kundalini ist die Mata Shakti, die höchste Form der Shakti. Sie ist unser kreativstes Potential. Meistens ist ihr Strömen schwach, oft sie blockiert. Dann ist die betreffende Person krank, schleppt sich nur durch  Aufbietung äußerster Willenskräfte durch ihr Leben und sucht Ersatzenergieträger wie viel Essen, Alkohol, Drogen, Zigaretten.

Die Praxis des Kundalini-Yoga

Kundalini-Yoga ist auf die Stärkung der Kundalini-Energie ausgerichtet. Ein Yogi/eine Yogini kann sich sich mittels dieser Yoga-Art körperlich und geistig stabilisieren, stärken, aufrichten und entspannen.  Sie oder er nutzen hierzu spezielle Körperübungen, konzentrieren sich auf die bewusste Lenkung ihrer oder seiner Atmung, fokussieren auf bestimmte Konzentrationspunkte und meditieren während jeder einzelnen Asana. 

 

Das Besondere am Kundalini-Yoga ist der Einsatz von Mantren, die während einiger Übungen sogar laut gesungen werden. Ihre Aufgabe ist es, den Geist auszurichten, die Atmung zu vertiefen und die Bauchmuskulatur und den Beckenboden anzuregen und zu stärken. 

 

Kundalini-Yoga kann sehr herausfordernd sein, und intensiv wirken und ist daher in seiner reinen Form für Schwangere nicht geeignet. Das Schwangerenyoga ist modifiziertes Kundalini-Yoga.

Kundalini-Yoga für Schwangere

Der körperliche Zustand einer Schwangeren  ist ein ganz besonderer. Ihre Wirbelsäule wird  mit dem voranschreitenden Wachstum ihres Babys in zunehmendem Maße belastet.  Stoffwechsel, Verdauung, Herz- und Lunge und alle weiteren Organe müssen mehr Arbeit unter erschwerten physischen Bedingungen leisten. Hormone lassen alle Muskulatur eher erschlaffen und machen die Körpergelenke weicher. Bewegung während der Schwangerschaft ist elementar wichtig, sollte aber unbedingt den „anderen Umständen“ angepasst sein. Die Folge von Reinigungskuren mittels Diäten oder intensiver Atemübungen wäre eine Entgiftung der Schwangeren zu Lasten des Kindes.


Aus diesem Grunde umfasst Kundalini-Yoga für Schwanger nur einige schwangerenfreundliche Elemente dieser Yogaform.  Das Yoga besteht aus sanften Asanas, geburtsvorbereitenden Atemübungen, schönen Meditationen und aus dem Chanten stärkender Mantren. 

Die Schwangerschaft und die Zeit nach der Geburt prägt Menschen auf allen Ebenen

Mit Hilfe des Kundalini–Yoga für Schwangere habe ich drei wunderbare Kinder zur Welt gebracht. In erster Linie hat mir unter allen Geburten geholfen, dass ich  tief atmen und tönen konnte, mit meiner Intuition verbunden war und dass ich auf die „Sprache“ meines Körpers hören durfte.


Ich habe nach der Geburt meines ersten Kindes eine Kundalini-Yogalehrerausbildung gemacht und eine intensive Ausbildung zur Schwangerenyogalehrerin genossen.


Mittlerweile unterrichte ich seit 34 Jahren das Kundalini-Yoga für Schwangere. Gemeinsam mit Kolleginnen und in andauernder Absprache mit Physiotherapeutinnen, Hebammen und Ärztinnen entwickelten wir das Kundalini Yoga für die Zeit der Rückbildung. Rückbildungsyoga unterrichte ich seit 27 Jahren. Nach wie vor begeistert es mich, die Veränderungsprozesse und werdender und frischgebackener Mütter  behutsam und liebevoll zu begleiten. Mein Mission Statement ist:


Die Schwangerschaft und die Zeit nach der Geburt prägt Menschen auf allen Ebenen. Um nachhaltig für eine friedliche und liebvolle Welt zu sorgen, ist es wichtig, dass wir uns mit großer Sorgfalt, Mühe und innerer Anteilnahme um das Wohlergehen von  Müttern und Kindern kümmern.

Ablauf einer Kundalini-Yogastunde für Schwangere

Wir bieten unterschiedliche Stundenformate an. Am liebsten ist uns Kundalini-Lehrerinnen jedoch eine Zeiteinheit von 90 Minuten pro Übungsstunde. Während dieser Zeitspanne können wir ganz gelassen eine Vielzahl effektiver Übungen, eine erholsame Tiefenentspannung und eine schöne Meditation anbieten.

Wir beginnen die Kundalini-Yogastunde mit einer kleinen Aufwärmphase, während der die werdenden Mütter den Beckenboden und das Becken, ihren Bauch, ihren Rücken und ihren Brustbereich ganz bewusst wahrnehmen können. Sie nehmen durch ihre Atmung Kontakt zum Kind auf und beginnen, einen meditativen Zustand zu entwickeln.

Darauf folgt die Einstimmung mit dem Einstimmungsmantra „Ong Namo-Guru Dev Namo“ (übersetzt: Ich begrüße die essentielle, kreative Energie – ich begrüße unendliche Weisheit; Anmerkung: Gu-Ru bedeutet Dunkel-Licht, gleichnishaft für Weisheit, es wird keine Person „besungen,“  sondern auf inneres Wissen und Weisheit im Allgemeinen fokussiert).

Jetzt folgt die Übungsphase, die sinnbildlich für die Geburt stehen kann, denn die Übung ist eine „Arbeitsphase“, gefolgt von einer kleinen Ruhepause zum Krafttanken, allegorisch zu Wehe und Wehenpause. Immer ist eine Wehensimulationsübung dabei, während der geatmet, getönt oder gesungen wird. Es schließt eine Tiefenentspannung mit nachfolgender Meditation an.


Die Meditation kann eine stille Versenkung sein, eine Pranayama oder eine Mantrameditation. Das Ende der Yogastunde wird durch einen gemeinsamen Ausklang markiert.

Kundalini-Yoga-Mantra für die Schwangerschaft

Um ein Gefühl für Kundalini-Yoga in der Schwangerschaft zu entwickeln, kannst du dir hier das Mantra „May the Long Time Sun Shine Upon You“ von Snatam Kaur anhören.

Alles Gute für deinen (Yoga-) Weg!

 

Sat Nam,

 

deine Bettina

Mehr zu Bettina:

Hier kannst du dir ein Bild über Bettinas Lebensweg machen:

 

  • 1959 geboren in Kiel
  • 1978 -1980 Schauspielausbildung 
  • 1983 Kundalini-Yoga-Lehrerin für Schwangere
  • 1985 reguläre Kundalini-Yoga-Ausbildung
  • 1990 Lead-Trainerin der Kundalini - Schwangerenyogaausbildung in Hamburg (bis heute), später auch in Berlin und München
  • 1996-2004 internationale Tätigkeit als Seminarleiterin  (u.a. Italien,  Skandinavien, Südafrika , USA)
  • 1996 Heilpraktikerin
  • 1999 Hypnosetherapeutin
  • 2000-2005 NLP Ausbildung und NLP Lehrtrainerin
  • Seit 2012 Online-Redakteurin bei Spirit Voyage
  • Seit 2014 Online-Redakteurin beim Kundalini-Lehrer-Verein 3HO e.V.
  • Seit 2015 Koordinatorin des Mother&Child-Bereichs in  der Kaifu-Lodge
  • Seit vielen Jahren in dem Yogazentrum Nanak Niwas als Yogalehrerin und Schwangerenyogalehrerin tätig.
  • Freiberuflich tätig als  Kundalini-Yogalehrerin, Seminarleiterin und Speaker
  • Drei Kinder, geboren 1982, 1985 und 2003

 

 

Noch mehr zu Bettina erfährst du auf ihrer Homepage.

 

Falls du Lust haben solltest, eine Ausbildung zur Schwangerenyogalehrerin im Kundalini-Stil bei Bettina zu machen, dann bekommst du hier alle Infos!

Hast du schon mal Kundalini-Yoga geübt?

Teile deine Erfahrung gerne in den Kommentaren und lasse andere (werdende) Mamas mit dir wachsen! Wie sieht deine Erfahrung mit Kundalini-Yoga aus? Oder hast du es noch nie geübt und möchtest es mal ausprobieren?

 Fotos: privat

 

 


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