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Ist eine Yogalehrerausbildung als Neu-Mama machbar?

Yogalehrerin und Ausbilderin Saskia Schmitz-Tietgen über den Traum vieler (werdender) Yoga-Mamas und die besten Tipps zur Realisation

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Du bist in den Endzügen Deiner Schwangerschaft und überlegst, ob Du die bevorstehende Elternzeit dazu nutzt, eine Yogalehrerausbildung zu machen? Vielleicht hast Du Dich in der letzten Zeit in Deinem alten Job nicht mehr so richtig wohl gefühlt und es scheint, als wäre jetzt endlich genug Zeit, um Dich neu zu orientieren? Saskia Schmitz-Tietgen von Glow in Hamburg ist selbst Yogalehrerin, gibt regelmäßig Teacher Trainings und ist außerdem selbst vor einigen Monaten Mama geworden. Die perfekte Gastautorin also für dieses Thema! Zum Wunsch „Als Neu-Mama Yogalehrerin werden“ sagt sie ganz klar: wunderbar, ABER …


Ich habe schon Trainings mit (hoch-)schwangeren Yoginis gegeben, was überhaupt kein Problem war. Ich habe selbst hochschwanger eine Ausbildung angeboten und durchgeführt, was ebenfalls erstaunlich gut funktionierte. Und ich habe auch schon frischgebackene Yogini-Mamas als Teilnehmerinnen in einer Ausbildung gehabt. Auch das funktionierte klasse! Allerdings, weil wichtige Punkte erfüllt waren.

 

Bevor Du Dich nun also, hochschwanger und hochmotiviert, für das nächste Teacher Training anmeldest, empfehle ich Dir, Dir ein paar Minuten Zeit zu nehmen, und über folgende Punkte einmal in Ruhe nachzudenken.

Geduld Teil 1: Ist Dein Körper reif für die Yogamatte oder platt wie nach einem Boxkampf?

Schon während der Schwangerschaft hat Dein Körper eine unglaubliche Veränderung durchlebt. Er hat andere, ungeahnte Formen angenommen und Deine Leistungsfähigkeit ist vielleicht plötzlich eine andere als noch vor der Schwangerschaft. Das ist ganz normal. Auch nach der Geburt bleibt häufig erstmal alles anders. Die Vorstellung von: Ausgangskörper – schwangerer Körper – und wieder zurück zum Ausgangskörper, stimmt meist nicht. Und das hat nicht nur etwas mit den Babypfunden zu tun, die eine Weile brauchen, um zu verschwinden.

 

Ich spreche da aus eigener Erfahrung. Ich konnte zum Beispiel die erste Zeit nach der Geburt kaum laufen, ohne Schmerzen in den Füßen und Beinen zu spüren. Nicht ungewöhnlich, sagte man mir. Der Gang vom Bett ins Bad am Morgen war alles andere als angenehm und an eine eigene Yogastunde war anfänglich nicht im geringsten zu denken. Insgesamt fühlte sich mein Körper vielmehr an wie nach einem Boxkampf. Schonung, Ruhe, Entspannung und Pflege standen jetzt vielmehr an der Tagesordnung.

 

Das muss natürlich nicht bei jeder Frau so sein. Aber – mein Tipp für Dich: Übe Dich in Geduld und warte am besten erst einmal ab, wie sich Dein Körper nach der Geburt anfühlt. Gib ihm Zeit, sich von der Schwangerschaft und der Geburt zu erholen und schau dann, ob und vor allem, wann Du Dir ein Teacher Training zutraust. Auch wenn Du während einer Yoga-Ausbildung nicht ausschließlich Asanas praktizierst, möchtest Du doch schließlich fit und belastbar sein und Deinem Körper (und Deinem Geist) etwas Gutes tun.

Geduld Teil 2: Emotionale Achterbahnfahrt oder gelassen wie ein Buddha – was sagt Dein Geist?

Natürlich hat sich nicht nur Dein Körper während der Schwangerschaft verändert. Viele größere Neuigkeiten hast Du vielleicht bei Deiner Psyche entdeckt. Mit Beginn der Schwangerschaft bekommt Frau ja ein ordentliches Pfund Hormone ab, die meist sehr deutlich ihre Wirkung zeigen. Oft sogar erst nach der Geburt. Abgesehen vom bekannten Babyblues lernst Du Dich vielleicht nun von einer ganz anderen Seite kennen. Plötzlich entdeckst Du womöglich Gefühlsregungen, die Du vorher noch gar nicht kanntest. Kein Wunder! Immerhin bist Du gerade Mama geworden und ab sofort nicht mehr nur für Dich, sondern für ein weiteres Menschlein verantwortlich. Das kann einiges auf den Kopf stellen. Vielleicht entdeckst Du eine neue Fürsorglichkeit oder sogar Ängstlichkeit, die Dir bis dato unbekannt waren. Vielleicht setzt Du ab sofort andere Prioritäten – ist Dir die Fernreise zum Beispiel nicht mehr sooooo wichtig, sondern steht nun das Wohl Deines Babys im Mittelpunkt und alles andere kann warten.

 

Deshalb mein Tipp für Dich: Groove Dich erstmal mit Deinem Baby ein. Lernt Euch kennen und vor allem: Lerne Dich in der neuen Mama-Rolle kennen. Sobald Du im Mama-Sein angekommen bist, Du nicht mehr bei jeder rührseligen TV-Werbung von heftigen Weinkrämpfen geschüttelt wirst, kannst Du Dich dem Thema Teacher Training allmählich nähern.

 

Denn vergiss nicht: Immerhin ist eine solche Ausbildung eine ebenfalls intensive Zeit, in der Du Dich stark mit Dir selbst beschäftigst und Du eine Art Transformation durchmachst. Gefühlsregungen von Euphorie bis tiefe Traurigkeit sind im Laufe eines Teacher Trainings deshalb auch nichts Ungewöhnliches. Gut, wenn Du Dich, ohne schlechtes Gewissen Deinem Baby gegenüber, diesem Prozess mit entspanntem, sicherem Gefühl hingeben und Dich mental voll auf das Training einstellen kannst.

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Geduld Teil 3: Dauernuckler, Kreischbaby oder Schnarchnase – was will Dein Baby eigentlich?

Da kannst Du Dich intensivst vorbereitet haben, Bücher gelesen haben, Freunde gefragt haben und und und – letztlich kommt doch alles anders. Denn Dein Baby ist eine individuelle Persönlichkeit mit ganz eigenen Wünschen, Vorlieben, Eigenarten und einem ganz besonderen Charakter. Man sagt ja, dass Babys sich seine Eltern aussuchen – je nachdem welche karmischen Themen es bearbeiten will. Niemand kann Dir sagen, wer sich da entschlossen hat, in Dein Leben zu treten. Du wirst es erst erfahren, wenn Ihr Euch kennen lernt.

 

Mein Baby ist zum Beispiel das super Chill-Baby. Am Tag. Die Nächte hingegen können hin und wieder echt herausfordernd sein, denn in manchen Nächte schläft das Baby einfach am liebsten AUF mir...

 

Deshalb mein Tipp für Dich: Übe Dich auch hier in Geduld und checke, welche Bedürfnisse nicht nur Du, sondern auch Dein Baby hat. Kann es nur entspannen, wenn es dauerhaft auf Deinem Arm ist oder kann es nur einschlafen, wenn es Dich riecht und an Deiner Brust liegt? Dann solltest Du das Thema Teacher Training erstmal nach hinten schieben. Dann ist Dein derzeitiges Mega-Yoga-Training Dein Baby und Dein tägliches Üben in Gelassenheit.

Du machst eine Yogalehrerausbildung - und Partner, Oma, Opa, Tante machen alle mit!

Du kannst fit sein wie der neueste Super-Sneaker und Dich ausgeglichen fühlen wie ein Buddha –  nur wenn Du ein Team um Dich herum hast, ist an eine Yogalehrer-Ausbildung als Neu-Mama überhaupt zu denken. Nur wenn Du Dein Baby in sicheren Händen weißt, kannst Du Dich auch entspannt auf ein Teacher Training einlassen.

 

Eine Yoga-Schülerin und Neu-Mama, die vor einiger Zeit an meinem Teacher Training teilgenommen hat, hat zum Beispiel in den Pausen hin und wieder Besuch von ihrem Partner und ihrem Baby bekommen, so dass sie ihren Spross noch stillen konnte – und die Nicht-sehen-Pausen nicht ganz so lang waren. Das geht natürlich nur, wenn Du jemanden hast, der voll und ganz hinter Dir steht, Dich unterstützt und Dir während des Trainings den Rücken frei hält.

 

Mein Tipp für Dich: Checke gemeinsam mit Deinem Partner, Deiner Familie und ggf. Freunden, inwieweit sie Dich in der intensiven Teacher Training Zeit unterstützen würden und horche genau in Dich hinein, wie Du Dich dabei fühlst. Glaubst Du, Du kannst Dich gedanklich während des Trainings auf das einstellen, was im Unterricht passiert oder wirst Du eher bei Deinem Baby sein und Dir Gedanken machen, ob auch wirklich alles klappt?

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Drum prüfe, wer sich bindet...

Hast Du schon eine konkrete Vorstellung, wo und bei wem Du Deine Ausbildung absolvieren möchtest? Hast Du schon darüber nachgedacht, welches Ausbildungskonzept für Dich und Deine aktuelle Situation am besten passen würde? Auf dem Yogalehrer-Ausbildungsmarkt gibt es so ziemlich alles: Intensiv-Ausbildungen, die ca. vier Wochen dauern, Modul-Ausbildungen, bei denen Wochenenden und einzelne Module kombiniert werden und Ausbildungen, die über ein oder zwei Jahre an einigen Wochenenden stattfinden. Für jeden Yogi-Typ und für jeden Wunsch ist da etwas dabei.

 

Mein Tipp für Dich: Überprüfe, welcher Yogastil jetzt Deinem Leben und Deinen Bedürfnissen am ehesten entspricht. Vielleicht warst Du stets dynamisch und sportlich unterwegs und merkst jetzt, dass Dir ein ruhigeres Tempo mehr zusagt oder dass Dich der spirituelle Background plötzlich mehr interessiert als noch vor einigen Monaten.

 

Wenn Du in diesem Punkt klar bist und weißt, was du willst, solltest Du Dir einmal genau anschauen, wie der Tagesablauf Deines Wunsch-Trainings aussieht. Triff Dich am besten mit einem der Ausbilder und checke zum Beispiel, wann Ihr morgens beginnt und wann ihr abends endet, wieviele Pausen Ihr zwischendrin habt, was noch an Hausarbeiten etc. auf Dich zukommen würde. Überprüfe, ob Du mit diesem Pensum klar kommst. Wenn Du nicht Super-Mom mit Super-Kräften bist und vor allem Super-Nerven hast, ist eine Ausbildung, die morgens um vier Uhr startet und abends um 20 Uhr endet zum Beispiel wahrscheinlich eher unrealistisch für Deine derzeitige Lebenssituation.

 

Überprüfe außerdem, ob Du Dich in dem Team, das Dich durch das Training begleiten soll, in Deiner jetzigen Lebenssituation wohl und aufgehoben fühlst. Vielleicht ist Dir jetzt eine kleine Gruppe wichtig, liegt es Dir am Herzen vor allem mit Frauen durch das Training zu gehen oder brauchst Du gerade jetzt das genaue Gegenteil von Deinem derzeitigen Alltag?

Hast Du Kapazitäten für ein zweites Baby?

Du möchtest das Teacher Training absolvieren, weil Du Dich beruflich neu orientieren willst und davon träumst, Bürostuhl gegen Yogamatte zu tauschen? Am liebsten würdest Du sofort nach dem Teacher Training mit dem Unterrichten loslegen? Wunderbar! Auch dazu sage ich: Ist machbar, aber!

 

Ich empfehle jedem frisch gebackenen Yogalehrer sofort nach der Ausbildung mit dem Unterrichten loszulegen. So kann das Gelernte gleich aktiv umgesetzt werden und es entsteht erst gar keine große Hemmung, als Lehrer auf die Matte zu steigen.

 

Was man allerdings nicht unterschätzen sollte: Gerade am Anfang muss man schon eine Extra-Portion Zeit in das Unterrichten stecken. Denn mit der Yogastunde selbst ist es ja längst nicht getan. Die Stunde will vorbereitet und mindestens einmal selbst durch-geyogt werden. Auch diese Zeit muss mit eingeplant werden. Das ist natürlich auch als Neu-Mama machbar, aber Du solltest Dich fragen: Hilft mir mein Netzwerk auch jetzt? Habe ich Zeit und Kapazitäten für ein zweites Baby? Das ist das Unterrichten nämlich: Dein Baby, das Du mit Geduld, Beständigkeit und ganz viel Liebe großziehst.

Yoga-Mama-Fazit:

Ein Teacher Training ist eine wunderbare, intensive Zeit, während der man eine Menge über sich, seinen Geist und seinen Körper lernt. Damit man diese Zeit auch so richtig genießen kann, ist es wichtig, sich bewusst zu machen, was auf einen zukommt und genau abzuwägen: ist es machbar oder nicht – und zwar für Dich, Deine Familie und Dein Baby. Damit Du während der Ausbildung nicht plötzlich feststellen musst, dass Du mit Deinen Gedanken die meiste Zeit bei Deinem Baby und nicht auf der Matte bist, Dein Körper streikt, Dir die Augen nach der Hälfte des Tages zufallen, weil Du nachts keinen Schlaf bekommst oder Du das Training vielleicht sogar ganz abbrechen  musst, weil es für Dich und Dein Baby einfach zu früh war.

 

Wenn Du nach allem Abwägen zu dem Schluss kommst „Jupp - ist machbar“, steht Dir – auch als Neu-Mama – mit einem Teacher Training eine großartige Zeit und Transformation bevor.

Mehr zu Saskia und ihrem Teacher Training in Hamburg bei dem Mamas herzlich willkommen sind, erfährst Du hier:

Saskia Schmitz-Tietgen ist Vinyasa- und Kundalini Yogalehrerin und Heilpraktikerin mit dem Schwerpunkt Ayurveda, Thai Yoga Massage und Akupunktur. Glow ist ihr Studio/Praxis in Hamburgs Neustadt, wo im August/September die nächste 200 Std. (YA) Yogalehrerausbildung stattfindet. Schreib ihr gerne eine Mail, wenn du mehr über sie und ihr Teacher Training erfahren möchtest!

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Und jetzt kommst Du!

Mit Babykugel?, Säugling, Kleinkind oder Kindegarten-Stöpsel? Welche Erfahrung hast Du mit dem Thema Teacher Training gemacht?


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